Was ist ein Testament?

Der eigene Tod ist für viele Menschen ein absolutes Tabuthema, das nach Möglichkeit nicht angesprochen wird. Auf diese Art und Weise wird dieses Thema oftmals aus den eigenen Gedanken verbannt und ausgeblendet. In Anbetracht der Tatsache, dass der Tod trotz beharrlichen Schweigens jeden früher oder später betrifft und einfach ein fester Bestandteil des Lebens ist, erweist sich ein solches Verhalten in der Regel nicht gerade als sinnvoll. Wer das Sterben verdrängt und sich nicht im Geringsten mit diesem Thema befasst, kann schließlich in keinster Weise Maßnahmen zur adäquaten Vorsorge treffen. Zudem wird man dann auch vollkommen überrascht und muss sich beispielsweise im Falle des Versterbens eines Angehörigen plötzlich intensiv mit diesem Tabuthema beschäftigen.

Daher ist es ratsam, sich mit entsprechenden Gedanken vertraut zu machen und zu akzeptieren, dass der Tod unausweichlich und ein Teil des Lebens ist. Wer dies tut, kann einerseits entsprechend vorsorgen und andererseits bestehende Ängste abbauen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Tod und erbrechtlichen Angelegenheiten lohnt sich demzufolge in gleich mehrfacher Hinsicht.

Testament errichten und für den eigenen Erbfall vorsorgen

Hat man sich erst einmal dazu entschlossen, offensiv mit dem eigenen Erbfall umzugehen und zu Lebzeiten bereits adäquat vorzusorgen, stellt sich mitunter die Frage, wie dies bewerkstelligt werden soll. Das Testament verfassen ist der Klassiker unter den Verfügungen von Todes wegen und erweist sich aus diesem Grund auch in diesem Zusammenhang als adäquate Lösung. Indem man ein Testament errichtet, kann man für seinen eigenen Erbfall vorsorgen und detaillierte Verfügungen bezüglich des Nachlasses hinterlassen. Ebenso erfordern neue Lebensumstände, wie eine Wiederverheiratung nach der Scheidung, auch eine neue Nachlassplanung oder gar Testamentsänderung zugunsten der Patchwork-Familie

Testamentsformen und Besonderheiten

Im Zuge dessen muss man zunächst entscheiden, ob man gemeinsam mit einem Notar ein öffentliches Testament errichtet oder stattdessen allein ein eigenhändiges Testament erstellt. Bei beiden Varianten handelt es sich um ordentliche Testamente, so dass der Testator die freie Wahl hat. Darüber hinaus ist es Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern vom deutschen Gesetzgeber gestattet, ein gemeinsames Testament, allgemein bekannt als Berliner Testament Modell, zu errichten und somit partnerschaftlich für den Ernstfall vorzusorgen. Zusätzlich kennt das Bürgerliche Gesetzbuch ebenfalls das Seetestament, das Drei-Zeugen-Testament und das Bürgermeistertestament als Nottestamente, wobei diese wirklich nur in speziellen Notsituationen genutzt werden können.

Unabhängig davon, für welche Testamentsform man sich entscheidet, erweist es sich in der Praxis stets als überaus sinnvoll, ein Testament zu hinterlassen. Durch eine derartige Verfügung von Todes wegen kann der künftige Erblasser von seiner juristisch verankerten Testierfreiheit Gebrauch machen, während die Angehörigen nicht im Unklaren gelassen werden. Folglich ist die Testamentserrichtung für alle Beteiligten sinnvoll und vorteilhaft. 

Testament und Erbrecht

Als künftiger Erblasser sollte man sich zunächst aber mit dem deutschen Erbrecht heute auseinandersetzen, seine eigenen Wünsche ergründen und anschließend ein Testament errichten. Im Zuge dessen empfiehlt es sich, die geltenden Formvorschriften genauestens zu beachten und rechtssichere Vorlagen zu verwenden, denn nur so kann man auch sicher sein, dass die Verfügung von Todes wegen rechtskräftig ist und somit im Erbfall zum Einsatz kommt. Dass die Testierfähigkeit gewährleistet sein muss zum Zeitpunkt der Erstellung dürfte jedem Verfasser klar sein. Ein geschäftsunfähiger Erblasser ist nicht so ohne weiteres in der Lage ein rechtskräftiges Testament zu erstellen. Es ist ebenfalls ratsam die Unterschiede zwischen Vermächtnis und Erbe zu kennen, denn bei unklaren Formulierungen muss das Testament von Nachlassgericht ausgelegt werden und eine Testamentsauslegung führt dazu, dass der letzte Wille des Erblassers nicht unbedingt wunschgemäß ausgeführt wird.

Darüber hinaus kann es durchaus ratsam sein, die Angehörigen ins Vertrauen zu ziehen und ihnen bereits zu Lebzeiten den Inhalt des Testaments darzulegen. So werden die Hinterbliebenen in ihrer Trauer um einen nahen Angehörigen nicht noch von dessen letztem Willen überrascht, sondern kennen den Inhalt des Testaments bereits. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass Erbschaften oftmals mit Konflikten belastet sind, sollten künftige Erblasser vorsorgen und nach der Testamentserrichtung das Gespräch mit ihren Angehörigen suchen, das kann teuere und aufwendige Erbstreitigkeiten schon im Vorfeld vermeiden.

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