Vorausvermächtnis

Unter einem Vorausvermächtnis versteht man ein Vermächtnis, das dem Erben selbst zugesprochen wurde vom Erblasser und zwar zusätzlich zu seinem Erbteil.

Das heißt, dass der zusätzlich bedachte Erbe gegen die weiteren Miterben einer Erbengemeinschaft noch vor der Teilung des Nachlasses den Anspruch auf die Zuwendung des Vermächtnisses hat. Erst nach der Erfüllung wird der Nachlass nach der vorgesehenen Erbquote aufgeteilt unter allen Erben.

Das Vorausvermächtnis hat einen gravierenden Unterschied zur Teilungsanordnung und zum „normalen“ Vermächtnis. Bei der Teilungsanordnung bestimmt der Erblasser, dass einer der Erben einen bestimmten Gegenstand zwar vorweg erhalten soll, doch diesen Gegenstand bekommt er nicht zusätzlich, sondern muss sich diesen auf das eigene Erbteil anrechnen lassen. Wenn der zugewandte Gegenstand einer Teilungsanordnung mehr wert ist als der Erbteil, dann muss dieser Erbe den Mehrwert ausgleichen gegenüber den Miterben.

Das Vermächtnis

Wenn der Erblasser einen ihm wichtigen Menschen nicht zu seinem Erben machen möchte, so kann er ihm jedoch mit einem Vermächtnis etwas hinterlassen. Ein Vermächtnis ist der Zusatzwille im Testament einer genau bestimmten Person einen Teil seines Vermögens zu übergeben. Das Vermächtnis im Testament  begründet einen schuldrechtlichen Anspruch des Vermächtnisnehmers gegen den oder die Erben.

Ein Beispiel:

„Meine Ehefrau, Marianne Speidel bestimme ich zu meiner Alleinerbin. Mein Freund, Herr Jürgen Glück soll den antiken Sekretär (genaue Beschreibung) in meinem Arbeitszimmer erhalten.“

 

Der benannte Freund hat im Erbfall das Recht den Sekretär von der Ehefrau einzufordern. Das Vermächtnis ist ein zusätzlich im Testament festgeschriebener  letzter Wille zu Gunsten des Bedachten. Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist geregelt wie der Inhalt eines solchen Vermächtnisses mindestens aussehen sollte. Die Ausgestaltung eines Vermächtnisses ist an keine besondere gesetzliche Form gebunden zur Gültigkeit. Der Erblasser muss also nicht auf eine besondere Wortwahl achten. Die Formulierung sollte jedoch, wie bei jeder Anordnung von Todes wegen klar erkennbar sein. Es sollte exakt festgelegt werden, welcher Gegenstand genau gemeint ist, oder dass ein bestimmter Teil des Vermögens an eine genau bestimmte Person abgegeben werden soll vom Erben. Dies kann auch jede weitere Handlung des Erblassers sein, die darauf abzielt, dem Bedachten etwas zukommen zu lassen, das ihm einen Vermögensvorteil verschafft.

Der Vermächtnisnehmer tritt allerdings nicht, wie die Erben, die Gesamtrechtsnachfolge des Erblassers an. Er hat lediglich einen Anspruch auf Erfüllung des Vermächtnisses gegen die Erben. Der Erblasser kann auch in Form eines Vermächtnisses anordnen, dass eine Person einen Immobilienbesitz nach seinem Ableben erhalten soll. Wenn ein solches Vermächtnis im Testament steht ist dem Vermächtnisnehmer die benannte Immobilie auch zu überlassen. Falls diese Immobilie mit Hypotheken belastet ist, muss diese Schuld auch in der Regel vom Vermächtnisnehmer mit übernommen werden. Hierzu gibt es wiederum genaue Bestimmungen.

Vorausvermächtnis

Wie vorgenannt, erhält der Begünstigte ein Vorausvermächtnis vor der Aufteilung des Gesamtnachlasses, ein Beispiel:

Die beiden Kinder des Erblassers sollen laut Anordnung dessen Erben je zur Hälfte sein. Zusätzlich ordnet der Erblasser an, dass eines der Kinder im Vorausvermächtnis dessen Schmuck erhalten soll. Das mit dem Vorausvermächtnis bedachte Kind kann zunächst einmal den Anspruch auf die Herausgabe des Schmucks fordern. Der Vermögenswert wird nicht in die Erbmasse einbezogen, sondern der restliche Nachlass wird wertmäßig je zur Hälfte aufgeteilt.

Beim Vorausvermächtnis ist der Begünstigte wie im Beispielfall benannt auch gleichzeitig Erbe des Erblassers. Ihm wird mit der Anordnung zum Vorausvermächtnis zusätzlich ein Gegenstand hinterlassen der nicht in die Gesamterbmasse fällt. Vorausvermächtnisse werden bei einer Berechnung von Pflichtteilansprüchen nicht abgezogen.

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