Erbschaftssteuer berechnen

Die meisten Menschen denken im Zusammenhang mit einer Erbschaft lediglich an plötzlichen Reichtum und die Erbschaft von großen Vermögenswerten. Dies aber keineswegs immer der Fall, denn eine Erbschaft kann ebenfalls Schulden und Verpflichtungen bedeuten. Aber selbst wenn der Nachlass nicht überschuldet ist und somit keine Zugriffe durch Nachlassgläubiger drohen, gehen Erben durch die Annahme der Erbschaft gewisse Pflichten ein. So ist jeder Erbe dazu verpflichtet, seine Erbschaft dem zuständigen Finanzamt zu melden, schließlich müssen Erbschaften versteuert werden, sofern diese die gesetzlichen Freibeträge übersteigen. Die Ehegatten und die Abkömmlinge des Erblassers haben den Vorteil einiger Privilegien im Erbrecht.

Wer sich ein Bild über die Höhe der fälligen Erbschaftssteuer machen will, muss nicht den Bescheid vom Fiskus abwarten, sondern kann bereits vorab selbst berechnen, wie hoch die fällige Erbschaftssteuer ausfallen wird. Die meisten Menschen scheuen hiervor jedoch zurück und ziehen es noch nicht einmal in Erwägung, selbst Berechnungen durchzuführen, da sie die Komplexität des deutschen Erbschaftssteuerrechts fürchten. Hierbei handelt es sich zwar durchaus um eine komplexe Angelegenheit, doch wer sich etwas intensiver mit den Themen Erbrecht und Erbschaftssteuer befasst, ist durchaus in der Lage, die Erbschaftssteuer selbst zu berechnen.

Freibeträge im Erbschaftssteuerrecht

Im Rahmen des Erbschaftssteuergesetzes gewährt der deutsche Gesetzgeber Erben einen Freibetrag im Bezug auf die Erbschaftssteuer. Liegt der jeweilige Erbteil unter dem juristischen Freibetrag, ist keine Erbschaftssteuer fällig, sodass Erben mit einem geringen Erbteil den Fiskus nicht fürchten müssen. Die Höhe des Freibetrags hängt vom Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Erben und dem verstorbenen Erblasser ab. Grundsätzlich gilt, dass je näher Erbe und Erblasser verwandt waren, desto höher fällt der erbschaftssteuerliche Freibetrag aus.

Ehegatten und eingetragene Lebenspartner können dem Erbschaftssteuerrecht entsprechend einen Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro geltend machen. Kinder und Stiefkinder des Erblassers können bis zu 400.000 Euro erbschaftssteuerfrei erben. Dies trifft auch auf Enkel des Erblassers zu, sofern das Kind bzw. Stiefkind, über das Enkel und Erblasser verwandt waren, bereits verstorben ist. Ansonsten sieht der Gesetzgeber für Enkelkinder, Stiefenkel und Urenkel einen Steuerfreibetrag in Höhe von 200.000 Euro vor. Im Falle einer Erbschaft gewährt der Fiskus Eltern und Großeltern 100.200 Euro als Freibetrag. Erhielten die Eltern oder Großeltern jedoch eine Zuwendung unter Lebenden vom Erblasser, das heißt eine Schenkung, liegt der Freibetrag für die Erbschaftssteuer bei 20.000 Euro. Geschwister, Nichten und Neffen, die Stiefeltern, Schwiegerkinder und Schwiegereltern, geschiedene Ehepartner und alle übrigen Erben können einen Freibetrag von jeweils 20.000 Euro im Zusammenhang mit der Erbschaftssteuer nutzen.

Die verschiedenen Steuersätze im deutschen Erbschaftssteuerrecht

Abgesehen von den Freibeträgen spielen auch die Steuersätze eine zentrale Rolle bei der Berechnung der Erbschaftssteuer. Grundsätzlich unterscheidet der Fiskus hierbei drei verschiedene Steuerklassen. Ehegatten, Eltern, Großeltern, Enkel, Stiefenkel, Urenkel, sowie Kinder und Stiefkinder bzw. deren Kinder, falls das betreffende Elternteil nicht mehr lebt, gehören im Rahmen der Erbschaftssteuer der Steuerklasse I an und müssen zwischen 7 und 30 Prozent Erbschaftssteuer zahlen.

Angehörige der Steuerklasse II, als geschiedene Ehegatten, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegerkinder und Geschwister, zahlen bei Anfall einer Erbschaft zwischen 15 und 43 Prozent Erbschaftssteuer, sofern ihr Erbteil über dem jeweiligen Freibetrag liegt. Alle übrigen Erben werden in der Steuerklasse III zusammengefasst und müssen zwischen 30 und 50 Prozent des zu versteuernden Betrages an den Fiskus abtreten.

Die exakte Höhe des Erbschaftssteuersatzes ergibt sich dann aus der Höhe des jeweiligen Erbteils. Je höher dieser ist, desto höher fällt auch die zu entrichtende Erbschaftssteuer aus.Wobei die Erbschaftssteuer für ein Haus anders zu berechnen ist, als bei Barmitteln oder Aktien.

Erbschaftssteuer selbst berechnen

Um die Erbschaftssteuer berechnen zu können, muss man also keineswegs ein Rechenkünstler sein, sondern sich im Vorfeld einfach eingehend mit der Materie befassen. So muss man wissen, welcher Steuerklasse man im Rahmen des Erbschaftssteuerrechts angehört, welchen Freibetrag man geltend machen kann und welcher Steuersatz für den zu versteuernden Betrag greift. Mit entsprechender Literatur lässt sich dies leicht herausfinden, sodass man noch nicht einmal einen Steuerberater oder Anwalt aufsuchen muss, um die Erbschaftssteuer zumindest grob zu berechnen.

4.3/537 ratings