Die Urnenbestattung ist auf dem Vormarsch

Einäscherungen waren in Europa lange Zeit verpönt, obwohl schon unsere Vorfahren in der Bronzezeit ihre Toten dem Feuer übergaben. Die katholische Kirche hat dafür gesorgt, dass Christen sich aus Angst lange Zeit nur unversehrt bestatten ließen. Der Gesinnungswechsel hat in der heutigen Zeit einige Gründe.

Die steigenden Kosten und die Platznot haben die Zahlen der Urnenbestattungen in den letzten Jahrzehnten wieder steigen lassen und auch die Kirche musste ihre Haltung überdenken. Viele Menschen wünschen die Einäscherung und dadurch ergeben sich auch eine Vielzahl von Bestattungsarten.

Warum war die Urnenbestattung verpönt?

Papst Leo der XIII. entschied am 19. Mai 1886, dass die Feuerbestattung „barbarisch“ sei und die natürliche Pietät verletze und zudem die Einäscherung den Materialismus begünstige. Auch die evangelische Kirche stand der Urnenbestattung ablehnend gegenüber und so war die Einäscherung als Bestattungsform bald verpönt. Im christlichen Glauben gehen die Gläubigen davon aus, dass sie eines Tages wiederauferstehen und früher nahm man an, dass dafür ein unversehrter Körper notwendig ist.

Aus Kostengründen oder innerer Überzeugung wählten trotzdem immer wieder auch Christen die Urnenbestattung und die katholische Kirche ging dazu über, Verstorbene nach einer Einäscherung nicht mehr einzusegnen und auch die kirchliche Bestattung wurde ihnen verweigert. Dieses strikte Verbot der Urnenbestattung für die Christen in Europa wurde erst 1964 aufgehoben. Heute interpretiert man die Wiederauferstehung mehr als spirituelles Ereignis für das keine körperliche Hülle notwendig ist und auch die Kirche hat ihre Haltung gelockert. Sie sah sich auch vor allem aus weltlichen Gründen dazu gezwungen das Verbot zu lockern, denn oft lagen wirtschaftliche Gründe für die Wahl der Urnenbestattung vor. Der Platz auf den Friedhöfen in den Städten war begrenzt und die Kosten für die Bestattungen selbst stiegen im 20. Jahrhundert stark an.

Die Zahl der Urnenbestattungen steigt mit den Singlehaushalten

In der DDR wurden aufgrund der Gesetzlage fast 85 % der Toten eingeäschert, im Westen hingegen lag die Zahl Mitte der 1980er Jahre bei unter einem Prozent. Inzwischen werden etwa 40 % Prozent aller Verstorbenen im gesamten Bundesgebiet eingeäschert. Die Zahlen machen deutlich sichtbar, dass sich immer mehr Menschen freiwillig für eine Urnenbestattung entscheiden. Das liegt auch daran, dass Wahlgrabstätten hohe Gebühren nach sich ziehen und die Bevölkerung diese nicht mehr akzeptiert. Zudem sind fast ein Drittel der Deutschen Single und davon mehr als zwei Drittel Senioren. Ohne interessierte Angehörige in der Nähe entscheiden sich viele Senioren für die günstige Urnenbestattung, die keine Grabpflege verlangt.

Doch nicht nur die Bestattungskosten und der Aufwand für die Grabpflege sind Gründe, die für eine Urnenbestattung sprechen, auch emotionale Gründe führen zu dieser Entscheidung. Der Erinnerungsdiamant ist eine schöne Möglichkeit sich immer an den Verstorbenen zu erinnern und zu seiner Herstellung wird ein Teil Asche des Toten verwendet. Da der Friedhofszwang und die Bestattungspflicht in vielen Ländern bereits aufgehoben und auch in Deutschland zumindest gelockert wurde, hoffen viele Menschen darauf, ihre Liebsten Zuhause behalten zu dürfen, was ebenfalls eine Einäscherung voraussetzt.

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