20 Jahre Pflegeversicherung in Deutschland

Im April des Jahres 1994 haben der Bundestag und der Bundesrat der Bundesrepublik Deutschland die Einführung einer „sozialen Pflegeversicherung“ als Pflichtversicherung beschlossen und im Zuge dessen die juristische Basis für die heutige gesetzliche Pflegeversicherung geschaffen. Mittlerweile kann diese somit auf eine 20-jährige Vergangenheit zurückblicken und begeht in diesen Tagen das Jubiläum. Zum 1. Januar des Jahres 1995 trat der betreffende Beschluss dann in Kraft. Seitdem hat die Pflegepflichtversicherung nach wie vor Bestand und soll für eine angemessene Absicherung des Pflege- und Krankheitsrisikos sorgen.

Pflegepflichtversicherung – Auch nach 20 Jahren besteht noch Nachbesserungsbedarf

Der Grundgedanke der deutschen Pflegepflichtversicherung ist folglich überaus löblich, doch in der Praxis ergeben sich nicht selten Probleme. So steht die Finanzierung der Pflege oftmals auf überaus wackligen Beinen. Nichtsdestotrotz hat jeder Mensch vor einer drohenden Pflegebedürftigkeit Angst und fürchtet die damit verbundene Abhängigkeit. Die Tatsache, die persönliche Freiheit aufgeben zu müssen, weil man aufgrund gesundheitlicher Probleme den Alltag nicht mehr eigenständig bewältigen kann, erscheint mehr oder weniger als Horrorszenario. Da man sich nicht gegen den Lauf der Dinge wehren kann und eine mitunter eintretende Pflegebedürftigkeit wohl oder übel hinnehmen muss, ist es von größter Bedeutung, in Würde altern zu können. Hierzu gehört es auch, den Lebensabend in angenehmer Atmosphäre zu verbringen und die Pflege zu erhalten, die man benötigt.

Wie auf „verbaende.com“ zu lesen ist, kritisiert der Deutsche Familienverband insbesondere die Honorierung der häuslichen Pflege. In vielen Fällen werden Pflegebedürftige von Angehörigen betreut und gepflegt, so dass ein juristischer Anspruch auf Pflegegeld besteht. Im Vergleich zu den Beträgen, die für eine Pflege im Heim gezahlt werden, liegt die Auszahlung bei der häuslichen Pflege deutlich niedriger. Die bestehenden Diskrepanzen lassen sich anhand der Pflegestufe 1 veranschaulichen. Für Pflegebedürftige, die stationär in einem Heim untergebracht sind, zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung jeweils 1.023 Euro monatlich. Wenn die Angehörigen die häusliche Pflege übernehmen und sich mitunter für ihren pflegebedürftigen Verwandten aufopfern, beläuft sich das monatliche Pflegegeld in der Pflegestufe 1 dahingegen lediglich auf 235 Euro. In der gesetzlichen Pflegeversicherung ist demnach nicht nur die Pflegebedürftigkeit des Betroffenen, sondern auch die Form der Pflege für die Leistungen entscheidend.

Verbände fordern große Pflegereform

Laut „verbaende.com“ macht der Deutsche Familienverband deutlich, dass diese Diskrepanz absolut ungerecht ist und sieht hierin eine soziale Benachteiligung der Familien. Der VdK vertritt laut „ovb-online.de“ eine ähnliche Position und fordert eine große Pflegereform, die sich auch der Situation in den Heimen annimmt und die Menschenwürde gewährleistet.

Wer die finanziellen Möglichkeiten hat, sollte sich nicht nur auf die gesetzliche Pflegeversicherung verlassen, sondern auch privat vorsorgen. Obwohl eine private Pflegezusatzversicherung im Ernstfall eine große Hilfe sein kann, besteht in der gesetzlichen Pflegeversicherung großer Nachbesserungsbedarf. Menschen, die plötzlich zum Pflegefall werden, müssten sich somit zumindest nicht so sehr ums Geld sorgen.

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